Junges Leben

Zwei Neuerscheinungen über Erinnerungen und Aufbrüche

Wie lassen sich Kindheits- und Adoleszenzerinnerungen literarisch fassen? In welchen Widerstreit verstricken sich Erinnern und Schreiben zwischen Naivität und Reflexion? Mit welchen Friktionen sind Aufbrüche in ein neues Leben, in neue Erfahrungen verbunden? Und wie sehr kleben Familie und ein früheres Leben an einem Neubeginn. Unter anderem davon sprechen zwei Neuerscheinungen von Samuel Hamen und Marc Angel (Zeeechen. Erzielungen a grafesch Geschichten, Editions Binsfeld) sowie Romain Butti (Ein Jahr in Berlin, Kremart).
Die Autoren lesen aus ihren Texten und sprechen über ihre Bücher und Tusche-Zeichnungen.

 

Zu “Ein Jahr in Berlin” von Romain Butti

Auf nach Berlin – für ein Jahr! Und er hat sogar einen ganz konkreten Plan: Die Memoiren einer gefeierten Galeristin aus Mitte fertigstellen. Als in der Bar plötzlich der mysteriöse Greg neben ihm steht, gerät sein Leben aus der Bahn. Je näher sich die beiden kommen, desto klarer wird es, dass sie nicht nach Berlin gehören. Es ist der Beginn einer aufwühlenden Reise hin ins große Nichts, irgendwo zwischen der pulsierenden Metropole, dem Nicht-mehr-Können und dem ultimativen Verschwinden. Mit “Ein Jahr in Berlin” erzählt Romain Butti vom Versuch nach Liebe und Zugehörigkeit in einer zunehmend hektischen und anonymen Großstadt.  

Zu “Zeechen. Erzielungen a grafesch Geschichten” von Smauel Hamen & Marc Angel

In “Zeeechen” fokussieren sich Samuel Hamen (*1988, Autor) und Marc Angel (*1960, Zeichner) auf eine luxemburgische Kindheit und Jugend. In drei Erzählungen widmet sich Hamen je einem Thema: in Bal (Fast) der Familie, in Elo (Jetzt) der Freundschaft, in Djö (Herrgottnochmal) der ersten Liebe. In drei illustrativen Segmenten gleichen Umfangs legt Angel Fortführungen der Texte vor.

 Hier möchte ein Erzähler alles haben: die Unmittelbarkeit der damaligen Erfahrung ebenso wie die Souveränität der nachträglichen Betrachtung. In diesen Widerstreit verstrickt sich das Schreiben, aus dieser Konkurrenz zwischen Naivität und Reflexion zieht „Zeeechen“ seine mal nostalgische, mal skeptische Kraft. Auf die Prosa hat Marc Angel mit Tusche-Zeichnungen geantwortet, in denen die Szenen sich mal an amerikanische graphic novels, mal an Formen der bande dessinée aus dem französischsprachigen Raum anlehnen.

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