Objet du mois, juillet 2026

»Waata! Waata!«

Nadežda Kozomaras Illustrationen für Moss Kita von Guy Rewenig
Moss Kita

»Waata! Waata!« – so ruft Kita, die Protagonistin von Guy Rewenigs Kinderbuch Moss Kita (2001), voller Begeisterung, sobald sie Wasser in jeglicher Form gewahr wird: »D’Waasser dat blénkt, d’Waasser dat fénkelt, d’Waasser dat dauscht, d’Waasser dat steet, all Waasser verdréit dem Kita de Kapp.« Diese Vorliebe äußert sich sehr früh: »Schon an der Maternité, zwee Deeg no senger Gebuert, sot d’Kita op eemol zu senger Mamm: ›Wann ech e bëssche méi grouss sinn, kafen ech mir ein décken Album, fir Reedrëpsen dranzepechen.‹ Et kann ee sech liicht virstellen, datt seng Mamm bal schwaachgefall ass, wéi si dat héieren huet.«

 

In einer Reihe von lustig-skurrilen Episoden erzählt Moss Kita die Geschichte eines Mädchens, das sich »fir soss näischt wéi d’Waasser« interessiert, sowie die Versuche seiner überforderten Eltern, sie von ihrer »Aquaphilie« zu ›kurieren‹. In der Bezeichnung »Moss« kommt ihr unbeirrbares, forsches Wesen zum Ausdruck, meint diese doch, so der Klappentext, »e Meedchen, an zwar eent, dat genee weess, wat et wëllt. Eng Moss fäärt net, léisst sech net vun aneren draschwätzen, huet hiren eegene Kapp. Enger Moss kann een näischt virschreiwen. Eng Moss mecht, wat hir gefällt.«

 

War Rewenig (*1947) bei Erscheinen des Buches längst als bedeutender Vertreter der luxemburgischen Gegenwartsliteratur anerkannt, so war es für die Illustratorin Nadežda Kozomara (*1970), die zuvor schon Bilder in Ölkreidetechnik ausgestellt hatte, die erste Buchveröffentlichung. In einem Gespräch erinnert sie sich daran, wie die Geschichte und deren Protagonistin sie auf Anhieb angesprochen haben und ihr augenblicklich Ideen zugefallen seien, als der Autor das Projekt beschrieb. Im Verlauf der Arbeit sei ihr Kita ein »être très proche« geworden. Sie habe für deren Suche nach dem eigenen Weg und nach »authenticité« Sympathie verspürt: »Elle m’a parlé, a résonné en moi.«

 

Entstanden sind Illustrationen wie das vorliegende Titelbild, deren Bestreben es ist, Kitas Wesen und ihre fantasmagorische Welt künstlerisch einzufangen. Dazu gehört die Mischtechnik aus Malerei und fotografischen Collageelementen, ein Mittel »de créer quelque chose de surréel comme son monde, entre réalité et dessin«. Das von einer Episode um ein Goldfischaquarium inspirierte Bild veranschaulicht überdies, dass sich die Illustrationen oft weniger als reine Transpositionen des Textes in Bildform denn als durch diesen angeregte Weiterführungen verstehen, »censés prolonger l’histoire, pas juste mettre en images ses propos«. Bildlich umgesetzt wird Kitas ausdrucksstarke Art zudem durch die auf wesentliche grafische Elemente konzentrierte Zeichnung ihres Gesichts, wobei neben klaren Linien und kräftigen Farben auch der Kontrast zwischen den verschiedenen Rot- und Rosatönen sowie den großen, dunklen, wachen Augen dessen Expressivität unterstreicht.

 

Wenn Rewenig in seiner Rede anlässlich des Servais-Preises für das Kinderbuch Passt die Maus ins Schneckenhaus? 2006 bemerkte, »[w]er für Kinder« schreibe, dürfe kein »zuckersüßes Gefühlskino defilieren lassen«, so trifft diese Forderung ebenfalls auf die humorvoll-ironischen Illustrationen Kozomaras zu, der Monique Hermes in einer Besprechung bescheinigte, dass sie »versteet, wéi een esou e flott Kannerbuch illustréiert«. In den Besitz des Luxemburger Literaturarchivs gelangten die Illustrationen für Moss Kita (mitsamt jenen für Josiane Kartheisers De Maxi an de Geschichtenerzieler, 2004, sowie zugehörigen Materialien) 2022 durch eine Schenkung der Künstlerin. Seither bereichert der Bestand L-433 Nadežda Kozomara die Reihe von Grafikerbeständen des CNL.

 

Pierre Marson

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