Objet du mois

Elise de Roebé

L’Artiste du Carmel

juillet_Roebe_EliseElise de Roebé (1851-1913) tritt als Schriftstellerin von religiös motivierter Literatur hervor, in der sie auch ihre Liebe zu ihrem Heimatort Larochette zum Ausdruck bringt. Sie schreibt vor allem Erzählungen und veröffentlicht sie zwischen 1892 und 1903 hauptsächlich in französischen katholischen Zeitschriften bzw. im Luxemburger Wort.

Die 1892 in vier Folgen im Le Rosier de Marie publizierte Geschichte L’Artiste du Carmel thematisiert ihre enge Freundschaft zur Larochetter Künstlerin Thérèse Reuland (1843-1928). Die Beziehung zwischen den beiden jungen Frauen ist besonderer Art, denn sie stammen aus unterschiedlichen sozialen Schichten: Elise de Roebé, in der Erzählung Alix des Rochers genannt, kommt aus einer Adelsfamilie, die zu den politischen Eliten des Großherzogtums gehört – ihr Vater war Minister – und lebt in einem Herrenhaus. Thérèse Reuland dagegen ist eine erfolgreiche Künstlerin und Unternehmerin. Was die beiden verbindet ist einerseits Religiosität und soziales Engagement, andererseits innige Seelenverwandtschaft und tiefes Verständnis füreinander. Die jungen Frauen lehnen die Ehe ab und entschließen sich (selbst)bewusst für ein Leben ohne Mann und Kinder.

In L’Artiste du Carmel erzählt Elise de Roebé den Werdegang Thérèse Reulands von einer erfolgreichen Unternehmerin zur Mitgründerin des Karmeliterinnenordens in Luxemburg. Als Direktorin eines Nähateliers in Larochette, der Kunststickerei-Anstalt & Paramenten-Fabrik, wird Thérèse Reuland von Elise geschildert als „le type de cette classe bourgeoise, intelligente, qui a conscience de sa force et s’appuie sur elle-même“. Bald erhält Thérèse auch internationale Anerkennung: So gewinnt sie für ihre Kunstwerke 1885 auf der Internationalen Ausstellung in Antwerpen als einzige Frau eine Goldmedaille. Nachdem sie 1886 ihr Atelier und Geschäft in die Hauptstadt verlegt hat, erlangt sie ihren größten künstlerischen Erfolg mit dem Stickerei-Bild Anbetung des Allerheiligsten Sakraments, das in einer Ausstellung im Vatikan vom Papst persönlich erworben und für das sie mit einer päpstlichen Medaille ausgezeichnet wird.

Mehr und mehr wird Thérèse vom Gedanken erfasst, sich von der Welt zu verabschieden und in den strengen Karmeliterorden einzutreten. Ihr Engagement für die Kirche und ihre Missionsarbeit für den Kongo reichen ihr nicht mehr aus. Im Februar 1887 pilgert sie nach Rom, um Klarheit über ihre Bestimmung zu gewinnen. Ihre Umwelt reagiert abweisend und verständnislos auf die Vorstellung eines abgesonderten Lebens nur in Anbetung Gottes. Elise kann sie, wenn auch schweren Herzens im Hinblick auf die endgültige Trennung, verstehen und hilft ihr, die vielen Schwierigkeiten, die sich ihr bei der Gründung eines neuen Ordens in den Weg stellen, zu überwinden. Am 15. Oktober 1889 tritt Thérèse Reuland als Soeur Thérèse de Jésus in den Karmeliterinnenorden ein, dessen Gründung zuvor von vier, aus dem holländischen Roermond stammenden Schwestern, eingeleitet und von Abbé Bernard Haal mit vorbereitet worden ist. In bewegenden Worten schildert Elise de Roebé den endgültigen Abschied ihrer Seelenfreundin von der Welt und ihr definitives Verschwinden hinter den Gittern des Klosters.

Neben der Zeitschrift Le Rosier de Marie befindet sich auch ein Konvolut von etwa 100 Briefen von Thérèse Reuland an Elise de Roebé im CNL-Nachlass L-45 der Familie de Roebé. Diese zwischen 1888 und 1889 in deutscher Sprache verfassten Briefe enthalten ein ergreifendes Zeugnis des seelischen Befindens einer erfolgreichen Frau, die selbstbewusst auf die Welt verzichtet und die doch ihr Werk als Künstlerin im Karmeliterinnenkloster fortsetzt, wie es der Webstuhl in ihrer Klosterzelle bezeugt.

Josiane Weber

juillet_1Rosier_Marie

juillet_2artiste_du_carmel

juillet_3Larochette_Manoir_Roebe

  • Mis à jour le 01-07-2016