Dat Le'fscht an disem e'weg sche'nen Steck Hèmecht dach mei Wengert ass!“ Der Moseldichter Nikolaus Hein (1889-1969)

NikolausHein
Der Dichter Nikolaus Hein, von Beruf Gymnasiallehrer, stammte aus Ehnen und war der Sohn eines Winzers. Die heimatliche Verbundenheit mit der Mosellandschaft prägte sein literarisches Schaffen, was sich bereits in dem 1917 erschienenen Debüt Lichter und Funken mit teils expressionistischen Gedichten zeigt. Der Band enthält die Gedichte Kriegsabend an der Mosel und Der Feldweg, die im Juli 1920 auch in der von Wilhelm Kosch herausgegebenen Kulturzeitschrift Der Wächter, dem Organ des Eichendorff-Bundes, abgedruckt wurden. In der Folge orientierte Hein sich sowohl thematisch als auch formal-sprachlich verstärkt an der Ästhetik der Heimatkunstbewegung, deren Antwort auf die zunehmende Verstädterung und Technisierung sowie die damit einhergehende Bedrohung der Natur eine Rückbesinnung auf den ländlichen Lebensraum, seine Traditionen und seine Lebensformen war – zumeist in einer idealisierenden Darstellung.

In diesen Kontext gehören auch Heins volkstümliche Gedichte, die um den Winzerberuf kreisen (Der Winzer, Beim Rebenbinden, Der Weinberg) und von denen das Gedicht Mei Wengert, das vor 1934, dem Datum seiner Vertonung, entstand und mehrmals publiziert wurde, eines der bekanntesten ist. In den fünf Strophen wird der eng umgrenzte Bezirk des Weinbergs zum heimatlichen Idyll, zum Kraftquell, zum Trostspender, zum Gesundbrunnen und, im Symbol der Traube, zum Hoffnungsträger, der alles irdische Leiden aufhebt. Selbst Generationen bindet der Weinberg aneinander, da nach dem Tode des Winzers dessen Kinder auf seinen Pfaden wandeln. Der Winzer, der ein gottgefälliges Erdendasein führt, wird mit dem ewigen Leben belohnt und geht ins Himmelreich ein. Da Hein in den 1930er Jahren dem Deutschen als Schriftsprache im Allgemeinen und als Dichtersprache im Besonderen das Vorrecht gegenüber dem Luxemburgischen einräumte, ist es bemerkenswert, dass er für das folkloristische Mei Wengert seine Mundart, den Moseler Dialekt wählte.

Vertont wurde das Gedicht von dem aus Wormeldingen stammenden Nicolas Entringer (1885-1969), dessen Vorfahren ebenfalls Winzer waren und der sich – analog zu Hein – einen Namen als ,Moselkomponist‘ machte. Das Notenblatt in Nikolaus Heins Nachlass mit den Abmessungen 33,5 x 26,7 cm ist Teil einer Schenkung von Joseph Groben aus dem Jahre 2013. Auf der Vorderseite befinden sich der Gedichttext mit der unterlegten Musik, der Name des Dichters und des Komponisten sowie das Entstehungsdatum der Vertonung. Auf der Rückseite findet man eine von Nikolaus Hein stammende handschriftliche Kopie des Gedichts mit geringfügigen Korrekturen.

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