Die Schreibmaschine von Wëllem Weis

torpedo‹ Schreibmaschine kommt wieder in Mode ›, meldete die Nachrichtenagentur Reuters am 17. Juli 2013. Misstrauen in die Sicherheit des elektronischen Datenverkehrs führe zu einem zunehmenden Gebrauch von Schreibmaschinen für vertrauliche Dokumente durch staatliche Stellen und Unternehmen. Auf einen anderen Vorteil gegenüber elektronisch erstellten Dokumenten, nämlich die physische Perennität der Daten, weist der Schauspieler Tom Hanks in einem ebenfalls rezenten Essay hin: « few handmade items last longer than a typed letter, for the ink is physically stamped into the very fibers of the paper […] it will be visible for perpetuity […] The machine, too, may last as long as the rocks of Stonehenge. » (‹ I Am TOM. I Like to TYPE. Hear That? ›, NYT, 3.8.2013)

So alt ist die Schreibmaschine von Wëllem Weis (1894-1964) indes nicht. Das Modell – eine Torpedo 6 der 1896 gegründeten Weilwerke A.G. in Frankfurt am Main – kam erstmals 1927 auf den Markt, und die Seriennummer 166114 verweist auf ein Baujahr vor 1935. Sie ist vom Autor also wohl um 1930 erstanden worden. Die kraftsparende Maschine war eines der populärsten Modelle des Herstellers und hatte einen großen Abnehmerkreis. Weis‘ Exemplar verfügt über eine französische Tastatur, war also offensichtlich für den internationalen Markt bestimmt.

Man kann sich vorstellen, dass zahlreiche seiner Texte – Weis‘ erstes Buch erschien 1927 – auf dieser Maschine verfasst wurden. In Erinnerung geblieben ist Wëllem/Wilhelm/Guillaume Weis, der auch unter den Pseudonymen Hermann Berg, Bruder Klaus, Messager und Silvester veröffentlichte, vor allem durch Sagen und Märchen wie De Klautje vun Itzeg und De Bib bei de Wichtelcher, aber auch durch das Marienlied Léif Mamm. Dabei ist das Werk dieses katholischen Geistlichen, der in Bonneweg, Kopstal und als Gefängnisseelsorger tätig war, sehr viel vielgestaltiger und umfangreicher. Es umfasst Romane, Kurzprosa, Drama und Lyrik. 1961 erhielt er dafür den Luxemburger Prix de littérature.

In einer Zeit, in der Werkvorstufen zunehmend gar nicht mehr als Manuskripte oder Typoskripte, sondern in Form elektronischer Datenträger ins Literaturarchiv eingeliefert werden, erinnert diese Schreibmaschine nicht nur an ihren Besitzer, sondern auch an eine Epoche, wo eine Schreibmaschine noch kein Bollwerk gegen die totale Überwachung oder ein auratisches Objekt musealer Rückbesinnung, sondern ein Schreibinstrument war, zu dem seine Benutzer nicht selten eine sehr persönliche Verbindung pflegten.

In den Besitz des Centre national de littérature gelangte die Schreibmaschine von Wëllem Weis zusammen mit Manuskripten seines jüngeren Bruders Adolphe Weis (1897-1977), der ebenfalls Schriftsteller war, als Schenkung von Adolphes Sohn Jean und durch Vermittlung von dessen Sohn Jean-Guillaume Weis.

Pierre Marson

  • Mis à jour le 01-11-2013