Objet du mois

Luxemburger Theaterzettel 1832-1845

theaterprogramme400Das Konvolut mit 148 Luxemburger Theaterzetteln aus der Zeit zwischen 1832 und 1845 stammt aus dem Nachlass des 1978 verstorbenen Autors, Theaterkritikers und Bibliothekars Max Goergen (CNL L-2). Diese Zettel stellten für die damaligen Theatertruppen mangels anderer Möglichkeiten das wichtigste Werbemittel dar: Sie wurden in den Straßen der Stadt und in öffentlichen Lokalen verteilt, um ein möglichst reges Interesse für die anstehenden Aufführungen zu wecken. Diese auf den ersten Blick recht schmucklosen, beidseitig bedruckten Einzelblätter sind für die Nachwelt von nicht unerheblichem literaturhistorischen Interesse, sind sie doch für das Verständnis des Luxemburger Theaters der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufschlussreich.

Die Theatersaison in der Festungs- und Garnisonsstadt Luxemburg fand vor allem in den kalt-feuchten Wintermonaten statt und bot dem Publikum eine willkommene Zerstreuung vom Alltag. Zunächst war es für jede Theatertruppe Pflicht, auf ihrem Theaterprogramm zu attestieren, dass sie im Vorfeld »untertänigst« den Bürgermeister der Stadt Luxemburg um eine Aufführungslizenz und um eine Aufführungsbewilligung für die beworbenen Stücke ersucht hat. Es handelt sich fast ausschließlich um deutsche und französische Wandertruppen, die für einige Monate nach Luxemburg kamen, um hier ihr oft recht hartes Brot zu verdienen. So gastierten hier u. a. folgende deutsche Gruppen: aus Trier Leiffring und Horny (1821 bis 1823), aus Köln Herzog und Annoni (1824), die Kölner Truppe um Direktor Hansen (1825-1826), der Trierer Theaterdirektor Hans Eisenhut (1832, 1833, 1835, 1838, 1839), sowie die zweisprachige Truppe Dupré und Lindner (1836).

Was den Ort der Theateraufführungen angeht, so wird aus den Theaterzetteln ersichtlich, dass zu jener Zeit die Schauspieltruppen in Luxemburg, mangels eines institutionell geführten Theaters, nur auf verschiedene private Lokalitäten zurückgreifen konnten, die oft gegen teures Geld angemietet werden mussten und eher schlecht als recht ausgestattet und beleuchtet waren. Skurril erscheint einem heutigen Theatergänger z. B., dass in manchem Programm damit geworben wird, das Theaterlokal sei gut geheizt, beleuchtet oder mit besonders komfortablen Sesseln ausgestattet. Der Eintritt auf die »Nobel-Gallerie« kostete 1 Fr. 50 Cent, das Parterre 1 Fr. und ein letzter Platz moderate 10 Sous.

Die Zettel bieten dem Leser einen erheblichen Erkenntnisgewinn was die in Luxemburg aufgeführten Autoren, Genres und Thematiken anbelangt. Aufgeführt wurde eine große Anzahl Einakter, insbesondere Possen und Schwänke, aber auch Lustspiele, Operetten, Volksstücke und Vaudevilles, deren oft mehrere an einem Abend gespielt wurden und die von einem Quartett oder einer (verstimmten) Geige musikalisch untermalt wurden. Das Publikum erwartete kurzweiliges, anspruchsloses und moralisch-erbauendes Theater, kein klassisches Theater: Goethe und Schiller, Corneille und Molière wurden wenig gespielt. Zu den Evergreens des hiesigen Theaters gehörten vor allem deutschsprachige Stücke von August von Kotzebue (mindestens 40 Stücke), August Wilhelm von Iffland, Johann von Nestroy, Carl von Holtei und Ernst Raupach; darin konnte man in der Festungsstadt ein vergleichbares Programm wie in den deutschen Städten sehen. Bei den französischsprachigen Autoren wurden vor allem Texte der Dramatiker Eugène Scribe, Louis-Sébastien Mercier und Alexandre Dumas aufgeführt. Eine interessante Charakterisierung des damaligen Publikums lieferte der amtierende Polizeikommissar Jean-François Gangler, als er in einem Brief vom 16. April 1845 an den Bürgermeister der Stadt Luxemburg schrieb: »En fait de théâtre, le public luxembourgeois est connaisseur. Il ne prétend sans doute pas à voir figurer sur notre scène microscopique des acteurs de 1er ordre, mais il veut au moins s’amuser pour son argent, et quitter la salle assez satisfait.«

Pascal Seil

  • Mis à jour le 01-08-2018