Objet du mois

René Weimerskirchs Sammelmappe zu Dem Luussert seng Spiichten (1961)

René Weimerskirch (1921-1985) ist untrennbar mit der Theatertruppe ›Goyspill‹ des Gaspericher Kirchenchors ›Les Chantres de Ste Thérèse‹ verbunden, die während mehr als zwanzig Jahren ausschließlich Stücke aus seiner Feder aufführte. Diese Verbundenheit zeigt sich auch in den Sammelmappen, die er zu manchen Produktionen zusammenstellte. Sie enthalten eine mit allen möglichen Dokumenten gewissenhaft angereicherte Version des Textes. Die hier ausliegende Mappe über das Stück Dem Luussert seng Spichten aus dem Jahre 1961 ist eine von sieben solcher Mappen, die sich im Bestand von René Weimerskirch (CNL L-079) im CNL befinden. Die anderen Mappen gehören zu den Stücken Den Här Schrobildgen (1960), Den Horrbock (1963), De sauren Apel (1964), D’Wonnerrous (1964), Den Eilespill (1967) und De 5. Sëtz (1968).

CNL L-79 I.1.2.2-1_Weimerskirch-Luussert_web_opt600Dem Luussert seng Spichten geht auf einen großen Klassiker des französichen Theaterrepertoires zurück:  Molières Les fourberies de Scapin. In seiner Adaptation versetzte René Weimerskirch die Handlung ins Luxemburg des frühen 19. Jahrhunderts und fügte Musikeinlagen hinzu. In der dazugehörigen Sammelmappe befindet sich ein liebevoll gestaltetes Programmheft, das neben der üblichen Einleitung zum Stück und allerlei Kommentaren zur Produktionsgeschichte sogar Platz für eine historische Abhandlung von Fernand Hoffmann über das Luxemburger Mundarttheater hat. Der Bühnenbildner Josy Greisen fertigte anläßlich dieser Produktion Karikaturen vom Autor René Weimerskirch, vom Komponisten Norbert Hoffmann, vom Hauptdarsteller Michel Bock und von sich selbst an, die im Programmheft abgedruckt sind. Drei der Originalzeichnungen hat René Weimerskirch auf die Deckseiten der Sammelmappe geklebt. An anderen Stellen findet man Dokumente, die einen mit auf eine Zeitreise nehmen und die damalige Vorstellung regelrecht zum Leben erwecken. Die mit Gouache gefärbten Pläne des Bühnenbildes von Josy Greisen und die kommentierten und an der entsprechenden Stelle eingeklebten Photos der Aufführung erlauben eine Gegenüberstellung der geplanten und der konkreten Umsetzung des Stückes. Letztere bringen die geschminkten Schauspieler in ihren Kostümen, die Beleuchtung und das Dekor der Bühne greifbar nah und sagen viel über das künstlerische Talent aus, das erforderlich war um eine solche Aufführung auf die Bühne zu bringen. Abgerundet wird das Ganze durch einen Zeitungsausschnitt mit einer Rezension der Aufführung, der einen Blick in die Rezeptionsgeschichte gestattet.

Die Ausgestaltung der Mappen ist immer verschieden und keine deckt die gesamte Palette der Elemente ab. Manche enthalten zusätzlich noch handschriftliche Bemerkungen zur Produktion, so wie hinzugefügte oder gestrichene Textpassagen, andere wiederum enthalten die Partituren der Musikeinlagen, eine Liste mit den Spielstätten oder ausführliche Pressespiegel. Jede liefert auf ihre eigene Weise einen wunderbaren Einblick in den Entstehungsprozess der jeweiligen Aufführung und ist damit eine große Bereicherung für die Geschichte des Luxemburger Vereinstheaters.

Claude Kremer

  • Mis à jour le 01-11-2017